Einer
der international bedeutendsten katholischen Theologen der Gegenwart
wird durch den Abraham-Geiger-Preis 2009 geehrt.
Der Preis wird am 18. Juni 2009 in Berlin verliehen.
Laudator ist Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert. Zu den
Preisträgern der letzten Jahre zählten S.K.H. Prinz Hassan
bin Talal von Jordanien, Karl Kardinal Lehmann, Alfred Grosser, Emil
Fackenheim und Susannah Heschel. Das Preisgeld von EUR 10.000.- soll
für einen Studienfonds verwendet werden, der Studierenden des
Abraham Geiger Kollegs interreligöse Erfahrungen ermöglicht.
Hans Küng hat durch sein Werk „Das Judentum“ eine
der überzeugendsten Monographien über das Judentum als Weltreligion
geschaffen. Die Einsicht, dass eine Gesellschaft keine Einheitsreligion
oder -ideologie braucht, wohl aber verbindliche Normen, Werte, Ideale
und Ziele über Religionsgrenzen hinweg inspirierte ihn zu seinem
Buch „Projekt Weltethos“. Damit kam er der Forderung des
Judentums sehr nahe, jede Religion zu respektieren, solange sie einen
Grundwertekanon vertritt, der das menschliche Zusammenleben und die
Menschenrechte an sich fördert und schützt.
Der kürzlich verstorbene jüdische Religionsphilosoph Ernst
Ludwig Ehrlich formulierte für die Jury: „Als Präsident
der Stiftung Weltethos haben Sie ein Zeichen gesetzt, wie das globale
Miteinander gelingen kann, jenseits aller religiösen Schranken.
Sie haben Ihren Glauben lebenslang in Freiheit gelehrt und vertreten.
In Ihrem Buch über das Judentum ist Ihnen eine wertvolle und wesentliche
Analyse gelungen, die innerhalb des Judentums Anstöße gegeben
hat und weit darüber hinaus Wirkung entfalten konnte.“ Deshalb
hat sich die Jury des Abraham Geiger Preises entschlossen, Professor
Küng für sein Lebenswerk den Abraham Geiger Preis im Jubiläumsjahr
2009 anzutragen.
Das Abraham Geiger Kolleg an der Universität Potsdam ist das
erste liberale Rabbinerseminar in Deutschland nach der Schoa. Der Preis
erinnert an den großen Denker des liberalen Judentums, Abraham
Geiger (1810-1874), dem drei Prinzipien wichtig waren:
die Freiheit des Gewissens und des Glaubens, die Freiheit der Forschung
und Lehre sowie die Meinungsfreiheit aller Menschen. Der Abraham Geiger
Preis würdigt Verdienste um das Judentum in seiner Vielfalt. Er
wurde im Jahr 2000 anlässlich der Eröffnung des Abraham Geiger
Kollegs geschaffen. Mit ihm zeichnet das Rabbiner-seminar Menschen
aus, die sich um den Pluralismus verdient gemacht haben: Offenheit,
Mut, Toleranz und Freiheit jüdischen Denken als Ertrag der Aufklärung
sollen damit als Grundlage für den Umgang von Juden miteinander
ebenso gewürdigt werden, wie in den Beziehungen mit unserem nichtjüdischen
Umfeld. 2009 feiert das Kolleg, das derzeit 18 Rabbinerstudenten und
vier künftige Kantoren ausbildet, sein zehnjähriges Bestehen.
|