
Exzellenzen, meine Damen und Herren,
Lassen Sie mich zunächst Herrn Professor Küng danken – nicht nur für seine freundlichen einführenden Worte, sondern auch für seine Einladung, an diesem Ort zu Ihnen zu sprechen. Ich war tief berührt, als er mir vor 18 Monaten in Berlin ein Stück Papier reichte mit der Bitte, nach seinem 75. Geburtstag am 19. März 2003 als Geburtstagsgeschenk für ihn eine Rede zu halten.
Wie Sie wissen, lieber Hans, hatte ich nicht vor, Sie so lange auf dieses Geburtstagsgeschenk warten zu lassen. Ich hatte gehofft, schon am 30. April hier sein zu können. Der Druck der Weltereignisse machte es damals unmöglich, aber jetzt stehe ich vor Ihnen. Ich kann diese Rede jedoch nicht wirklich als ein Geschenk von mir an Sie betrachten. Vielmehr sind Sie es, die mir eine große Ehre erweisen, indem Sie mich gebeten haben, hier an Ihrer eigenen Wirkungsstätte zum Thema Weltethos zu sprechen, über das in unserer heutigen Zeit wohl niemand profundere Überlegungen angestellt hat als Sie.
Eigentlich wird mir klar, dass der Titel, den ich für meinen Vortrag gewählt habe, fast etwas anmaßend erscheinen könnte. Wenn jemand so ausführlich und so inspirierend über universelle Werte geschrieben hat wie Sie, scheint es einigermaßen gewagt zu sein, wenn ich hier in Ihrer Stiftung Weltethos ankomme und die Frage in den Raum stelle, ob es solche Werte überhaupt noch gibt!
Ich will Sie nicht auf die Folter spannen und Ihnen vorweg verraten, dass meine Antwort »Ja!« lautet. Die Werte des Friedens, der Freiheit, des sozialen Fortschritts, der Gleichberechtigung und der Menschenwürde, die in der Charta der Vereinten Nationen und in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert sind, besitzen heute nicht weniger Gültigkeit als vor mehr als einem halben Jahrhundert, als diese Dokumente von den Vertretern vieler verschiedener Nationen und Kulturen verfasst wurden.
Die Umsetzung dieser Werte in die Realität menschlichen Verhaltens war zur damaligen Zeit keineswegs besser als heute. Diese großen Dokumente waren der Ausdruck einer optimistischen Vision, keine Beschreibung bestehender Realitäten. Wir sollten nicht vergessen, dass unter den Verfasser- und Unterzeichnerstaaten die Sowjetunion zum Höhepunkt des stalinistischen Terrors sowie zahlreiche keineswegs reuige Kolonialmächte waren.
Die Wertvorstellungen unserer Gründer sind auch heute noch nicht vollständig verwirklicht. Davon sind wir leider noch weit entfernt. Aber sie werden heute viel weitgehender akzeptiert als noch vor wenigen Jahrzehnten. Insbesondere die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte hat weltweit Eingang in die Rechtsordnungen gefunden, und sie ist heute in jedem Land ein Bezugspunkt für die Menschen, die sich nach den Menschenrechten sehnen. Die Welt ist besser geworden, und die Vereinten Nationen haben einen wichtigen Beitrag dazu geleistet.
Aber in unserem Zeitalter der Globalisierung besteht auch ein dringenderer Bedarf an solchen universellen Werten als je zuvor.
Jede Gesellschaft muss durch gemeinsame Werte verbunden sein, sodass ihre Mitlieder wissen, was sie voneinander erwarten können und dass es bestimmte, von allen getragene Grundsätze gibt, die ihnen eine gewaltlose Beilegung ihrer Differenzen ermöglichen.
Dies gilt für örtliche Gemeinwesen ebenso wie für Staatsgemeinschaften. Heute, da die Globalisierung uns alle einander näher bringt und Dinge, die Menschen am anderen Ende der Welt sagen oder tun, sich nur Augenblicke später auch auf unser Leben auswirken, empfinden wir auch die Notwendigkeit, in einer globalen Gemeinschaft zu leben. Wir können dies nur tun, wenn wir über globale Werte verfügen, die uns verbinden.
Die Ereignisse der jüngsten Zeit haben jedoch gezeigt, dass wir unsere globalen Werte nicht als selbstverständlich betrachten können. Ich spüre auf der ganzen Welt große Angst, dass das Geflecht der internationalen Beziehungen beginnen könnte, sich aufzulösen – und dass möglicherweise die Globalisierung selbst gefährdet ist.
Die Globalisierung hat große Chancen mit sich gebracht, aber auch viele neue Belastungen und Verwerfungen. Sie hat eine Gegenreaktion ausgelöst – und zwar genau deswegen, weil es uns nicht gelungen ist, sie im Einklang mit den universellen Werten zu steuern, an die zu glauben wir Anspruch erheben.
In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verkünden wir, dass »jeder das Recht auf einen Lebensstandard hat, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen«.
Vor drei Jahren bekräftigten alle Staaten in der Millenniums-Erklärung, dass »die internationalen Beziehungen im 21. Jahrhundert von bestimmten Grundwerten geprägt sein müssen«: Freiheit, Gleichheit, Solidarität, Toleranz, Achtung vor der Natur und gemeinsam getragene Verantwortung. Sie verabschiedeten konkrete, erreichbare Ziele – die Millenniums-Entwicklungsziele – , um den Schandfleck der extremen Armut zu tilgen und Rechte wie das Recht auf Bildung, auf gesundheitliche Grundversorgung und auf sauberes Wasser für alle Realität werden zu lassen.
Viele Millionen Menschen auf der Welt sind heute weit davon entfernt, diese Rechte in der Praxis ausüben zu können. Dies könnte anders werden, wenn die Regierungen in den reichen wie auch in den armen Ländern ihren Verpflichtungen nachkommen würden. Jedoch konzentriert sich heute, drei Jahre nach der Millenniums-Erklärung, unsere Aufmerksamkeit auf Fragen von Krieg und Frieden, und wir laufen Gefahr zu vergessen, was wir damals feierlich versprachen, nämlich die grundlegenden Menschenrechte zu verwirklichen und die Grundbedürfnisse der Menschen zu befriedigen.
Die Globalisierung hat uns einander näher gebracht in dem Sinn, dass wir alle von den Handlungen anderer betroffen sind, aber nicht in dem Sinn, dass wir alle die Vorteile wie auch die Lasten teilen. Stattdessen haben wir zugelassen, dass sie uns immer weiter auseinander treibt, indem sie das Wohlstandsgefälle und die Machtunterschiede zwischen den Gesellschaften wie auch im Inneren der Gesellschaften verstärkt.
Eine solche Entwicklung spricht universellen Werten Hohn. Es ist nicht überraschend, dass diese Werte in einer Gegenreaktion genau in dem Augenblick, in dem wir sie am meisten brauchen, Angriffen ausgesetzt sind.
Ob man nun den Bereich des Friedens und der Sicherheit, den Handel und die Märkte oder auch die sozialen und kulturellen Einstellungen betrachtet, es steht zu befürchten, dass wir uns in einer Zeit gegenseitigen Misstrauens, der Furcht und des Protektionismus befinden – einer Zeit, in der sich die Menschen sich selbst zuwenden, anstatt sich zu öffnen, sich mit anderen auszutauschen und voneinander zu lernen.
Von der Globalisierung enttäuscht haben sich viele Menschen auf engere Auslegungen des Begriffs der Gemeinschaft zurückgezogen. Dies führt wiederum zu einander widersprechenden Wertsystemen, die die Menschen dazu veranlassen, einige ihrer Mitmenschen von Mitgefühl und Solidarität auszuschließen, weil sie nicht die gleichen religiösen oder politischen Überzeugungen, das gleiche kulturelle Erbe oder nur nicht die gleiche Hautfarbe haben.
Wir haben gesehen, welch verheerende Folgen solche partikularistischen Wertsysteme haben können: ethnische Säuberungen, Völkermord, Terrorismus und die Ausbreitung von Furcht, Hass und Diskriminierung.
Es gilt daher nunmehr, unseren universellen Werten erneut Geltung zu verschaffen.
Wir müssen den kaltblütigen Nihilismus von Attentaten, wie sie am 11. September 2001 gegen die Vereinigten Staaten begangen wurden, entschlossen verurteilen. Wir dürfen aber nicht zulassen, dass solche Anschläge einen »Zusammenprall der Kulturen« provozieren, in dem Millionen Menschen aus Fleisch und Blut einer Schlacht zwischen zwei Abstraktionen – dem »Islam« und dem »Westen« – zum Opfer fallen, als ob islamische und westliche Werte unvereinbar wären.
Sie sind es nämlich nicht, wie Ihnen die Millionen gläubiger Muslime, die hier in Deutschland und anderswo auf der Welt leben, als erste versichern würden. Dennoch müssen viele dieser Muslime jetzt erleben, dass sie Gegenstand von Verdächtigungen, Schikanen und Diskriminierung werden, während in Teilen der islamischen Welt jeder, der mit dem Westen oder westlichen Werten in Verbindung gebracht wird, Feindseligkeit oder sogar Gewalt ausgesetzt ist.
Angesichts einer derartigen Herausforderung können wir den universellen Werten nur dann erneut Geltung verschaffen, wenn wir bereit sind, gründlich darüber nachzudenken, was wir darunter verstehen und wie wir sie umsetzen können.
Das bedeutet, dass wir uns auch darüber klar sein müssen, was sie nicht sind. So sollte auf jeden Fall klar sein, dass die Gültigkeit universeller Werte nicht davon abhängt, ob sie überall eingehalten oder angewandt werden. Ein Ethikkodex ist immer der Ausdruck eines Ideals oder einer Bestrebung, ein Maßstab, an dem sich moralisches Fehlverhalten messen lässt, nicht so sehr eine Vorschrift, die sicherstellen soll, dass ein solches Fehlverhalten nie vorkommt.
Daraus folgt, dass keine Religion und kein ethisches System je wegen moralischer Entgleisungen einiger ihrer Anhänger verurteilt werden sollten. Wenn ich als Christ beispielsweise nicht will, dass mein Glaube nach den Handlungen der Kreuzritter oder der Inquisition beurteilt wird, muss ich auch selbst sehr vorsichtig sein, um nicht den Glauben eines anderen nach den Handlungen zu beurteilen, die einige wenige Terroristen im Namen seines Glaubens begehen.
Unsere universellen Werte verlangen von uns auch, dass wir die menschlichen Eigenschaften, sowohl die guten als auch die schlechten, die wir mit allen unseren Mitmenschen gemein haben, anerkennen und dass wir die gleiche Achtung vor der Menschenwürde und der Sensibilität der Angehörigen anderer Gemeinschaften zeigen, die wir auch von ihnen erwarten.
Das bedeutet, dass wir stets bereit sein sollten, andere Menschen ihre Identität selbst definieren zu lassen, und dass wir nicht darauf bestehen sollten, sie nach unseren eigenen Kriterien einzuteilen, so wohlgemeint es auch sein mag. Wenn wir aufrichtig an individuelle Rechte glauben, dann müssen wir anerkennen, dass das Identitätsgefühl des Einzelnen nahezu immer mit dem Gefühl der Zugehörigkeit zu einer oder mehreren Gruppen verknüpft ist, wobei die Zugehörigkeiten sich manchmal konzentrisch gestalten, andere Male wiederum sich überschneiden.
Daher gehört zu den Rechten des Einzelnen auch das Recht, Empathie und Solidarität mit anderen Menschen zu empfinden, die den einen oder anderen Aspekt seiner Identität mit ihm teilen.
Dies wiederum sollte Auswirkungen darauf haben, wie wir die staatsbürgerschaftlichen Pflichten in unseren nationalen Gemeinwesen definieren. Wir sollten die Menschen nicht zwingen, sich von dem Los ihrer Glaubensbrüder oder ethnischen Verwandten, die Bürger anderer Staaten sind, zu distanzieren.
So sollten zum Beispiel Muslime nicht geschmäht oder verfolgt werden, weil sie sich etwa mit den Palästinensern, den Irakern oder den Tschetschenen identifizieren – egal was man von den nationalen Ansprüchen und Klagen dieser Völker oder von den in ihrem Namen benutzten Methoden denken mag. Und wie heftige Empfindungen die Handlungen des Staates Israel bei manchen von uns auch hervorrufen mögen, wir sollten stets das Recht der israelischen Juden achten, in Sicherheit innerhalb der Grenzen ihres eigenen Staates zu leben, und das Recht aller Juden, diesen Staat als Ausdruck der Identität und des Überlebens ihres Volkes hochzuachten.
Wenn es aber falsch ist, einen bestimmten Glauben oder ein bestimmtes Wertsystem wegen der Handlungen oder Aussagen einiger seiner Anhänger zu verurteilen, dann muss es ebenso falsch sein, den Gedanken, dass gewisse Werte universell sind, aufzugeben, nur weil einige Menschen diese Werte nicht zu akzeptieren scheinen. Ja, ich meine sogar, dass gerade die Existenz derartiger Verirrungen uns verpflichtet, die gemeinsamen Werte zu bekräftigen und zu wahren. Wir müssen imstande sein zu sagen, dass bestimmte Handlungen und Überzeugungen nicht nur unseren eigenen sittlichen Vorstellungen zuwiderlaufen, sondern von allen Menschen verworfen werden sollten.
Der Besitz solcher gemeinsamen Werte löst natürlich nicht alle Probleme, und er ändert auch nichts daran, dass die verschiedenen Gesellschaften einen gewissen Gestaltungsspielraum haben, um Probleme auf unterschiedliche Art zu lösen.
Wir mögen uns alle aufrichtig zur Gewaltlosigkeit und zur Achtung vor dem Leben bekennen und können doch unterschiedlicher Auffassung darüber sein, ob es legitim ist, Menschen zu töten, die selbst getötet haben, oder Gewalt anzuwenden, um Unschuldige zu verteidigen, denen Gewalt angetan wird.
Wir mögen alle aufrichtig für Solidarität mit unseren Mitmenschen und für eine gerechte Wirtschaftsordnung eintreten und doch keine Einigung darüber erzielen können, mit welcher Politik eine solche Wirtschaftsordnung am besten verwirklicht werden kann.
Wir mögen uns alle der Toleranz und der Wahrheitstreue tief verbunden fühlen und uns doch nicht darüber einigen, wie tolerant wir gegenüber Staaten oder Systemen sein sollen, die uns intolerant und verlogen erscheinen.
Und wir mögen alle aufrichtig für Gleichberechtigung und Partnerschaft zwischen Mann und Frau eintreten, ohne uns darüber einig zu sein, wie weit die gesellschaftliche Rollenverteilung von Männern und Frauen gehen soll oder ob es Aufgabe der Gesellschaft ist, die Heiligkeit der Ehe zu gewährleisten.
Bei allen diesen Fragen ist zu erwarten, dass die Meinungsverschiedenheiten noch lange andauern werden – sowohl zwischen den Gesellschaften als auch in ihrem Inneren. Universelle Werte haben nicht den Zweck, alle derartigen Differenzen zu beseitigen, sondern uns vielmehr dabei zu helfen, sie unter gegenseitiger Achtung und ohne gegenseitige Zerstörung zu bewältigen.
Toleranz und Dialog sind unverzichtbar, da es ohne sie keinen friedlichen Austausch von Ideen und keine Möglichkeit gibt, zu einvernehmlichen Lösungen zu gelangen, die es unterschiedlichen Gesellschaften gestatten, sich auf ihre eigene Weise weiterzuentwickeln.
Die Gesellschaften, die sich selbst als modern betrachten, müssen erkennen, dass Modernität nicht automatisch Toleranz erzeugt. Selbst überzeugte Liberale und Demokraten können bisweilen bemerkenswert intolerant gegenüber anderen Ansichten sein. Man sollte vor solchen Versuchungen stets auf der Hut sein.
Andererseits müssen Gesellschaften, die großen Wert auf Tradition legen, erkennen, dass Traditionen am besten überleben, wenn sie nicht starr und unveränderlich sind, sondern lebendig und offen für neue Ideen, sowohl von innen als auch von außen.
Darüber hinaus mag es zutreffen, dass Toleranz und Dialog innerhalb einer Gesellschaft langfristig am besten durch bestimmte institutionelle Regelungen gewährleistet sind, wie etwa durch Mehrparteienwahlen oder die Gewaltenteilung zwischen Legislative, Exekutive und Judikative.
Derartige Regelungen sind jedoch kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Keine Gesellschaft sollte meinen, sie habe ein absolutes Recht oder eine absolute Pflicht, sie anderen aufzuzwingen, nur weil sie selbst sie für nützlich befunden hat. Jede Gesellschaft sollte über genügend Freiraum verfügen, nicht etwa um die universellen Werte zu verzerren oder zu untergraben, sondern um sie in einer Weise zum Ausdruck zu bringen, die ihren eigenen Traditionen und ihrer eigenen Kultur Rechnung trägt.
Werte sind nicht dazu da, um Philosophen oder Theologen zu dienen, sondern um den Menschen bei der Gestaltung ihres Lebens und bei der Organisation ihrer Gesellschaften behilflich zu sein. Das heißt, dass wir auf internationaler Ebene Kooperationsmechanismen brauchen, die stark genug sind, um universellen Werten Geltung zu verschaffen, aber gleichzeitig flexibel genug, um den Menschen dabei zu helfen, diese Werte in einer Weise zu verwirklichen, die in ihrem jeweiligen Umfeld auch tatsächlich anwendbar ist.
Letztendlich wird uns die Geschichte nicht nach unseren Worten, sondern nach unseren Taten beurteilen. Diejenigen, die gewisse Werte am lautesten predigen – wie die Werte der Freiheit, der Rechtsstaatlichkeit und der Gleichheit vor dem Gesetz – , haben eine besondere Verpflichtung, in ihrem eigenen Leben und in ihren eigenen Gesellschaften nach diesen Werten zu leben und sie gleichermaßen auf ihre Feinde wie auf ihre Freunde anzuwenden.
Gegenüber Menschen, deren Meinung man teilt oder deren Verhalten man billigt, ist keine Toleranz gefordert. Es ist wenn wir zornig werden, dass wir es am nötigsten haben, die von uns proklamierten Grundsätze der Bescheidenheit und der gegenseitigen Achtung anzuwenden.
Wir sollten auch nie mit den Dingen zufrieden sein, wie sie sind. Der Zustand der Welt lässt dies nicht zu.
Was uns selbst, die Vereinten Nationen, betrifft, so sind wir manchmal versucht, unseren offensichtlichen Wert und Nutzen für die Welt zu verkündigen und den Mitgliedstaaten die Schuld zu geben, dass sie von einer so wertvollen Institution keinen besseren Gebrauch machen. Das ist jedoch zu wenig.
Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um die Vereinten Nationen zu verbessern, das heißt, sie für die Völker der Welt, in deren Namen die Organisation gegründet wurde, nutzbringender zu machen und bei der Anwendung der universellen Werte, zu denen sich alle ihre Mitglieder bekennen, mit noch besserem Beispiel voranzugehen.
Das bedeutet, dass wir in vielen Aspekten unserer Tätigkeit wirkungsvoller werden müssen, insbesondere bei unseren Bemühungen zur Förderung und zum Schutz der Menschenrechte.
Menschenrechte und universelle Werte sind nahezu synonyme Begriffe – solange wir verstehen, dass Rechte nicht in einem Vakuum existieren. Sie ziehen entsprechende Pflichten nach sich, und Pflichten sind nur dort sinnvoll, wo sie erfüllt werden können. »Sollen setzt Können voraus.«
Wie lautet also die Antwort auf die provokative Frage, die ich als Titel meiner Rede gewählt habe? Gibt es noch universelle Werte? Ja, es gibt sie, aber wir dürfen sie nicht für selbstverständlich halten.
Sie müssen sorgfältig durchdacht,
sie müssen verteidigt,
und sie müssen gestärkt werden.
Und wir müssen in uns selbst den Willen finden, nach den Werten zu leben, die wir verkünden – in unserem Privatleben, in unseren lokalen und nationalen Gemeinwesen und in der Welt.
Ich danke Ihnen.

